Rezension zu Cecilia Aherns „Ein Moment fürs Leben“

Als ich neulich auf meinen Zug warten musste, zog es mich in die Bahnhofsbuchhandlung und ich stöberte in den dort ausliegenden Büchern. Dort fiel mir auch Cecilia Aherns Buch „Ein Moment fürs Leben“ in die Hände und ich las mir den Klappentext durch: Lucy Silchester trifft auf ihr eigenes Leben in persona! Hört sich interessant an, dachte ich mir und kaufte es.

Worum geht es in dem Buch?

Lucy Silchester ist eine Frau, die kurz vor ihrem dreißigsten Geburtstag steht und ihr Leben im Durchschnitt führt: Ein mittelmäßiger Job, eine kleine Wohnung, eine Katze, ein paar Freunde, die sie aber nicht wirklich gut zu kennen scheint, was auf Gegenseitigkeit beruht. Ach ja, und Probleme mit ihrer Familie hat sie obendrein. Alles in ihrem Leben dreht sich um ihren Exfreund, der sie vor drei Jahren verlassen hat, was sie noch immer nicht verarbeitet hat. Damit sie nicht als Verlassene dasteht und es für sie einfacher ist, haben die beiden vereinbart, dass Lucy allen erzählt, sie habe Schluss gemacht – und das Netz aus Lügen beginnt. Lucy wird zu einer notorischen Lügnerin, denn die eine Lüge bedingt die nächste und wenn die Wahrheit ans Licht kommt, bricht das ganze Gerüst in sich zusammen.

Eines Tages erhält sie eine Einladung: Ihr Leben will sich mit ihr treffen. Trotz Vorbehalte stimmt sie zu und trifft einen hässlichen, stinkenden Mann, der sich als ihr Leben vorstellt und sie von nun an begleitet, obwohl Lucy ihn lieber loswerden will. Er begleitet sie zur Arbeit, zu ihren Freunden, wohnt bei ihr und Lucy beginnt langsam, ihr Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Mehr verrate ich an dieser Stelle mal nicht.

 

Was mir gefallen hat

 Die Idee! Ich finde es eine sehr interessante, ansprechende, tolle Idee, dass sich jemand mit seinem eigenen Leben treffen kann. Vielleicht aber auch nur, weil ich mein eigenes Leben gerne mal treffen würde. Auch dass sich Lucy Leben (also die Person) im Laufe des Buches verändert und besser aussieht, je besser Lucy ihr Leben auf die Reihe bringt, fand ich eine sehr schöne Erwähnung und man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie wohl das eigene Leben aussehen würde, wenn man ihn/sie treffen könnte.

Außerdem mochte ich, wie sich die Geschichte entwickelt hat, gerade etwa ab der Hälfte des Buches wurde es richtig spannend und ich wollte wissen, ob sich alles so entwickelt, wie ich es mir erhoffte. Ich mochte die Figur „Lucys Leben“ und die von Don sehr gerne, auch Lucy war mir im Grunde sehr sympathisch, auch wenn ich sie manchmal gerne angeschrien hätte.

Ich mag Aherns Schreibstil, Lucy erzählt alles in der Ich-Form, sehr witzig formuliert, sehr kurzweilig. Ich konnte mir ein gutes Bild von Lucy machen und  insbesondere das Telefonat zwischen ihr und Don fand ich unheimlich interessant.

 

Was mir nicht so gut gefallen hat

 Es gibt ein paar Dinge, mit denen ich mich nicht so gut anfreunden kann. Da ist zum Beispiel Lucy, die einfach manchmal ein bisschen zu naiv ist. Sie lernt Don kennen und man hat das Gefühl, dass sie sich sogar ein bisschen in ihn verliebt, aber dann rennt sie doch zu ihrem Exfreund zurück, der unglaublich unsympathisch rüberkommt und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, was sie an dem Typen findet. Er ist unsensibel und ichbezogen und seine einzig gute „Eigenschaft“ ist, dass er gut aussieht. Es wird nicht klar, warum Lucy überhaupt daran denkt, ihn Don vorzuziehen. Zudem kennt sie ihre Freunde offensichtlich nicht, mit denen sie sich mindestens die letzten 8 Jahre ca. einmal die Woche trifft – sie hat so Angst, ihnen die Wahrheit zu sagen, dass sie sie lieber alle belügt, statt sie als das zu sehen, was sie sind: Freunde, die ihr in der Not beistehen.

 Mich hat außerdem gewundert, dass es niemanden überrascht hat, dass es Agenturen gibt, bei denen sich das Leben mit einem treffen will. Man würde doch meinen, dass das nicht normal ist – und wenn es eine so bekannte Agentur ist, dass es niemanden mehr wundert, dann hätte man das als Leser irgendwie anders vermittelt bekommen sollen. Als Leser steht man da und denkt: Okay, alle wissen über diese Agentur Bescheid, nur ich nicht.

 Alles in allem kann ich persönlich nicht vollständig nachvollziehen, dass jemand mit fast 30 noch so unreif ist – aber vielleicht bin ich mit meinen 25 Jahren tatsächlich schon weiter als manch einer mit 30. Ich konnte sehr wohl verstehen, dass man lange einer alten Liebe nachtrauert und eine Trennung nicht verkraftet, aber nicht, dass man sich über Jahre so wenig Gedanken über sein Leben macht und dann auch noch sich selbst und sein ganzes Umfeld so belügt, weil man die Wahrheit nicht erträgt. Aber vielleicht musste ich auch einfach nie die Erfahrung machen, dass manche Menschen es für notwendig halten, sich ein Leben aus Lügen aufzubauen.

 

Fazit

 Ich würde das Buch weiterempfehlen, vor allen Dingen jedem, der mit seinem Leben ein wenig unzufrieden ist oder der noch nie über sein Leben nachgedacht hat. Es ist kurzweilige Lektüre und nach einer gewissen Einlesezeit kann man wunderbar in die Geschichte versinken, sie wird immer spannender und man wird wunderbar unterhalten!

 

Rating: 4 von 5 Sternchen

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